October 7th, 2019

le_trouver

Bei ihrer Rede zum Tag der deutschen Einheit warnte die Kanzlerin davor,

ähnlich wie zu DDR-Zeiten "die Ursache für Schwierigkeiten und Widrigkeiten vor allem und zuerst beim Staat und den sogenannten Eliten" zu suchen, "denen man sowieso nichts glauben könne und die dem Einzelnen irgendwie nur im Wege sind". Ein solches Denken sei in ganz Deutschland zu beobachten. "Setzte sich ein solches Denken durch, führte das ins Elend." (Vergleichbares war zuvor von einem anderen Politiker mit Zonen-Pedigree zu vernehmen, freilich noch ohne DDR-Rückbindung.)

Nun heißt es grübeln. Warnt die Kanzlerin davor, die Ursache für Widrigkeiten bei den Eliten zu suchen, weil es zwar damals zutraf, aber heute nicht, oder warnt sie generell davor, weil es damals schon falsch war?

Allerdings geht jeder Versuch einer Exegese der Merkelschen Sprache von vornherein fehl, weil das eigentliche Ziel dieses schwammigen Rotwelschs ja gerade darin besteht, nichts Konkretes auszusagen, eine diffuse gute Laune im Sinne eines Ich kümmere mich schon, Ich habe alles im Griff zu verbreiten, aber zugleich jede Erwiderung, jede anschließende Debatte im Ansatz zu ersticken. (Ich sage das aus der heiklen Perspektive eines Autors, der sich auf Merkels Regierungserklärungen Antworten ausdenken muss.) Es wäre also müßig, der Kanzlerin vorzuhalten, dass sie kein Deutsch kann, auch grammatikalisch nicht, denn genau diese Zertrümmerung von Sprache, von Semantik, von Sinn ist ja intendiert. Dass ihre Reden aus ästhetischer Sicht abscheulich sind, bleibt davon unbenommen.