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In der Zeit von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg war Deutschland das Land, von dem weltweit die meisten wissenschaftlichen und kulturellen Impulse ausgingen. Das Schulsystem Wilhelm von Humboldts galt weithin als Vorbild, und die deutschen Universitäten beherbergten die Forschereliten dieser Welt. Zwischen 1901 und 1933 gingen zehn der 31 Physik-Nobelpreise, 14 der 28 Chemie-Nobelpreise, sechs der 27 Medizin-Nobelpreise und fünf von 31 Literatur-Nobelpreisen nach Deutschland. Kein anderes Land hatte in irgendeiner dieser Disziplinen mehr Nobelpreise vorzuweisen. Zugleich kam der Großteil der Erfindungen aus Deutschland. Die Naturwissenschaften waren unangefochten die Domäne der Deutschen, und noch heute basiert ein Großteil des technischen Wissens, das die moderne Industriegesellschaft begründet und ihren wirtschaftlichen Wohlstand erklärt, auf Forschungsergebnissen aus Deutschland. Der Bogen der technischen Erfindungen umfasst das Telefon des Johann Philipp Reis (1861), den Dynamomotor von Werner Siemens (1866), das erste Motorrad Gottlieb Daimlers (1885), das erste Auto des Karl Benz (1885), den Viertaktmotor von Nikolaus August Otto (1876), den Dieselmotor von Rudolf Diesel (1892), das erste Düsenflugzeug, die Heinkel HE 178, von Hans Joachim-Pabst von Ohain (1939), die erste Flüssigkeitsrakete des Wernher von Braun (1926), den ersten programmierbaren Computer, den Z3, des Konrad Zuse (1941) und die erste Programmiersprache, Plankalkül, ebenfalls von Konrad Zuse (1945). Die Atomphysik mit den zentralen Erkenntnissen stammt genauso aus Deutschland wie die moderne organische Chemie. Die Dominanz der deutschen Naturwissenschaften war bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts so stark, dass Deutsch zeitweilig die internationale Wissenschaftssprache war. Ausländische Wissenschaftler publizierten ihre Ergebnisse in deutscher Sprache, und in Amerika gab es sogar wissenschaftliche Zeitschriften, die auf Deutsch erschienen. Ausgehend von der John-Hopkins-Universität in Baltimore bauten die amerikanischen Universitäten Graduiertenprogramme nach deutschem Muster auf, und der deutsche „Wissenschaftsgeist“ und die „Lehr- und Lernfreiheit“ wurden das intellektuelle Denkmodell vieler amerikanischer Universitäten.

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